Informatik/Nebenfach/Technische Kybernetik
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Das Folgende sind Tips von einem Technische Kybernetik Student. Das Hauptproblem für Informatiker ist, das sie weniger Mathematik haben als reguläre tech Kyb Studenten, deswegen sollte man einige Vorlesungen nicht wählen.
Wahlfächer in Vordiplom die man wählen sollte: Optimierung +Anwendungen und Stochastische Systeme
Wahlfächer im Vordiplom die man nicht wählen sollte: Dynamik nichttechinscher Systeme und Dynamik mechanischer Systeme.
Es ist sinnvoll für das Verstehen von Regelungstechnik I und II eine Vorlesung über Integraltransformationen zu hören, wie die Theorie der Schaltungen IV.
von Florian Meister, erste Version vor Juni 1999
[bearbeiten] Worum geht es in dem Fach überhaupt/was wird gelehrt? (Womit kann ich nach dem Besuch dieses Nebenfachs angeben...?-)
Ähmm.. sehr gute, aber nicht leicht zu beantwortende Frage. Wer sich den Studienplan für die Technische Kybernetik schon mal angesehen hat, wird wohl schnell gemerkt haben, daß der durchschnittliche Kybernetiker so eine Art "eierlegende Wollmilchsau" darzustellen scheint - von jedem mathematisch - naturwissenschaftlichen Studiengang gibt's ein bißchen was.
Als Studienziel wird angestrebt, daß man am Schluß so ziemlich jedes "System", sei es elektro-, verfahrens-, steuerungs- oder sonstwastechnisch, berechnen, simulieren und steuern kann - beliebtes Beispiel ist z.B. der Entwurf von Autopiloten.
[bearbeiten] Wieviele Infotiker wählen das Fach im Durchschnitt pro Semester (Schätzung)?
Bei uns waren es 6, bis jetzt (3. Semester im Nebenfach) sind zwei abgesprungen, zwei haben nach dem 2. von vorne angefangen, einer (!) hat alle Prüfungen auf Anhieb geschafft...
[bearbeiten] Voraussetzungen und Anforderungen beim Nebenfach allgemein? Schwierigkeitsgrad?
Grundsätzliche Voraussetzung sind ein gesundes Interesse an der Physik und solide Mathekenntnisse (und wer in HM bei den Differentialgleichungen die Lust verlor, kann sich gleich nach was anderem umsehen (Anm. des Editors: Man bemerke das Fehlen eines "Smileys" bei dieser Aussage!) ).
Der Schwierigkeitsgrad ist auf jeden Fall nicht zu unterschätzen, da gerade der mathematisch-theoretische Anteil extrem hoch ist. Zusätzlich wird oft auf (bei Informatikern meist ungenügende) Vorkenntnisse aus dem physikalischen Bereich verwiesen (und an die Worte "...das kennen sie ja aus der Höheren Mathematik III..." gewöhnt man sich auch besser schon mal).
[bearbeiten] Wo wird gelehrt (Stadtmitte, Vaihingen, nordsibirische Steppe..)?
Ein Lichtblick: Alle Vorlesungen finden direkt am Vaihinger Campus statt.
[bearbeiten] Veranstaltungen im Vordiplom? Konnten alle Vorlesungen ohne Komplikationen besucht werden?
Es gibt zwei Vorlesungen im Vordiplom: Technische Mechanik (TM) im Wintersemester und Systeme mit verteilten Parametern (SVP) im Sommer. Vorbedingungen gibt's keine, in TM mußte zur Prüfungszulassung eine Scheinklausur bestanden werden (es gibt mehrere Versuche pro Semester).
Die TM zeigte auch mal wieder, wie wichtig es ist, auf sich aufmerksam zu machen: da wir aufgrund von Stundenplanüberschneidungen jede dritte Vorlesung verpaßt hätten, fragten wir mal vorsichtig an, ob wir nicht eventuell irgendwelche zusätzlichen Unterlagen zum Nachbearbeiten kriegen könnten. Das Ergebnis war überraschend: zusätzlich zur Hauptvorlesung (ca. 150 Hörer) wurde eine Zusatzvorlesung für uns 6 Infotiker eingerichtet (die auch noch qualitativ besser war).
Moral: Scheut euch nicht, euch Gehör zu verschaffen - an Hilfsbereitschaft mangelt es nicht.
[bearbeiten] Kurzbeschreibung der einzelnen Veranstaltungen (aus der Sicht eines Studenten, der diese besucht hat) mit Angaben zum Inhalt, Voraussetzungen, Anforderungen und Machbarkeit.
Vordiplom:
Technische Mechanik Könnte man als eine Art Fortsetzung der Schulphysik bezeichnen. Man beschäftigt sich hauptsächlich mit Feder-Masse-Systemen, Pendeln und allem andern was rollt, springt, hüpft usw...
Der Schwierigkeitsgrad ist moderat, allerdings muß man immer am Ball bleiben und die Übungen regelmäßig besuchen - das für Infotiker etwas fremde Fachgebiet kann Anpassungsschwierigkeiten verursachen.
Die Übungen selbst sind betreute Vortragsübungen, d.h. man rechnet selbstständig während der Übungszeit und kann sich jederzeit von den anwesenden Tutoren Tips geben lassen. Gruppenarbeit ist sehr zu empfehlen, man kann sich ruhig auch mal mit E-Technikern (die auch nicht viel mehr Vorkentnisse haben) zusammentun.
Zu beachten ist außerdem, daß es sich hier nicht um TM für Kybernetiker (die hören die sehr viel weiter gehende TM I-III), sondern um die wesentlich kompaktere TM für Elektrotechniker (ohne Nummer) handelt.
Systeme mit verteilten Parametern Der Name macht noch neugierig, worum es hier wohl gehen mag - aber das böse Erwachen folgt bald: Thema der Vorlesung sind Differentialgleichungen in allen Formen und Farben und deren Lösung. Der meistgehörte Satz lautet "...das hatten sie ja in den HM III-Ergänzungen(!)...".
Als zusätzlichen "Bonus" werden die hier reichlich vorhandenen mathematischen Alpträume meist durch für Kybernetiker anschauliche Beispiele aus anderen Vorlesungen garniert, welche dem armen Infotiker das Verständnis leider oft zusätzlich erschweren.
In SVP hilft wirklich nur, ständig am Ball zu bleiben und sich gnadenlos als Infotiker zu outen - in der Hoffnung, daß die eine oder andere zusätzliche Erklärung abfällt. Ständige Anwesenheit in den Vortragsübungen ist in diesem Fall überlebensnotwendig.
Die gute Nachricht dabei ist: wer SVP geschafft hat, der dürfte wohl wirklich das Schlimmste hinter sich haben.
Hauptdiplom:
Pflicht sind Regelungstechnik I und II sowie ein dazugehöriges Praktikum und mindestens 9 SWS aus einem Wahlpflichtbereich.
Davon bis 5. Semester:
Regelungstechnik I (RT) Wie der Name schon sagt, geht es hierbei um die Regelung von allen möglichen Schaltsystemen, z.B. Wasserstand in einer Zisterne, Tempomat usw. - zumindest auf dem Papier.
Praktisch landet man nach einem eher geruhsamen Einstieg dann doch wieder recht schnell in einer gemütlichen mathematischen Vorhölle - aber nach SVP schockt das dann auch niemand mehr. Außerdem muß der Fairness halber erwähnt werden, daß die möglichen praktischen Anwendungen diesmal doch recht klar zu erkennen sind - macht die Rechnerei zwar nicht unbedingt spassiger, gibt aber immerhin ein wenig daß Gefühl etwas sinnvolles zu machen.
Diese Vorlesung wird nicht nur von Kybernetikern, sondern auch von Maschinenbauern gehört.
Simulationstechnik (SimTech) Die Tatsache, daß SimTech genauso wie SVP von Herrn Dr. Zeitz gelesen wird, verstärkt den Eindruck, daß es sich hier um eine Art Fortsetzung zur SVP handelt. Grundsätzlich richtig, nur mit einem entscheidenden Unterschied: Mußte man in SVP noch alles selbst rechnen, so lernt man hier, wie man Probleme möglichst gut für die Simulation auf einem Rechner vorbereitet, um diesen dann den Rest machen zu lassen. Verwendet werden das hauseigene Simulationstool ISRSIM, Matlab und einige andere mathematische Programme.
Dies ist für den Infotiker zwar nicht ganz so leicht, wie es auf Anhieb klingen mag, da zur Vorbereitung und Ergebnisüberprüfung/ -auswertung doch noch einiges getan werden muß - aber es ist recht interessant und man hat das Gefühl, als Infotiker zumindest einen kleinen "Heimvorteil" zu haben...
Zur Vorlesung gehört zusätzlich zu den Vortragsübungen noch ein regelmäßig stattfindendes Praktikum am Rechner, das mit den verwendeten Programmen vertraut machen soll.
Da ich diese Vorlesung wegen Terminproblemen nur bis etwa zur Hälfte gehört habe, kann sich meine Einstellung dazu beim nächsten Versuch natürlich noch komplett ändern... ;-)
[bearbeiten] Wie sieht's mit Unterlagen zu den Vorlesungen aus? Beschaffungskriminalität? Aktualität? Prüfungsaufgaben?
Allgemein eher mager: Herr Sorg rückt zu TM keine Skripte heraus (senken seiner Meinung nach die Aufmerksamkeit), Herr Zeitz kompensiert die nicht vorhandenen Skripte zu SVP und SimTech durch häufig verteilte Kopien und einen ausführlichen Tafelanschrieb, der sich meist hart an der Grenze zur Unleserlichkeit bewegt (aber er ist immer gern bereit, sich zu wiederholen).
Dafür gibt es zu RT I (Hauptdiplom) ein hervorragendes, gedrucktes Skript in Buchform, das sich sehr eng an die Vorlesung hält - der Aufschrieb beschränkt sich daher weitgehend auf Kommentare (allerdings wird munter zwischen den Kapiteln umhergesprungen - panisches Blättern ist vorprogrammiert).
Prüfungsaufgaben zu SVP wurden verteilt, in TM waren sie auch leicht zu erhalten. In beiden Fällen orientierten sich die Prüfungsaufgaben im Stil sehr an den Übungen (bloß um etliches schwerer, natürlich ;-).
[bearbeiten] Wie gehen die Dozenten auf die Bedürfnisse der Infotik- Nebenfächler ein, wie groß ist der Anteil an Infotikern?
Die Hilfsbereitschaft verdient bisher klar Bestnoten, auch wenn's leider oft nicht viel bringt - nach fünf Minuten wird wieder auf Kybernetiker-Niveau weitergemacht. Man kann einfach nur immer wieder dazu raten, auf sich aufmerksam zu machen - dann kann man eigentlich immer mit Hilfe rechnen.
[bearbeiten] Was gibt's bei der Prüfungsanmeldung im Vordiplom zu beachten? Wo findet diese statt? Was für Schwierigkeiten treten üblicherweise auf?
Eigentlich nichts Unübliches, mal von der nötigen TM-Scheinklausur abgesehen.
[bearbeiten] Ansprechpartner bei Problemen/Fragen (Mitarbeiter, Studenten)
Die "üblichen Verdächtigen": Studienberatung, Tutoren, ruhig auch mal nach der Vorlesung den Dozenten ansprechen (beliebtes Hobby von Herrn Zeitz: wenn für irgendwas die Zeit nicht ausreicht, wird es zur "Hausaufgabe" erklärt, die man ihm dann nach der Vorlesung präsentieren kann - leider habe ich noch nicht herausbekommen, was die dafür ausgesetzten "Preise" sind).
[bearbeiten] Sonstige Anmerkungen und Eindrücke (hier ist der Platz zum subjektiven Rummeckern/Ablästern).
Grundsätzlich läßt sich sagen, daß man Kybernetik wohl am ehesten denen empfehlen kann, denen reine Mathe oder Physik zu abgehoben und alle anderen ähnlichen Nebenfächer zu "technisch" sind - obwohl es "Technische Kybernetik" heißt, ist es doch meist Rechnerei mit einem winzigen Schimmer von Anwendungsbezug am Horizont. Praxisorientierung sucht man hier leider weitgehend vergebens.
Allerdings werden Grundkenntnisse vermittelt, die in den meisten anderen technischen Fächern von Vorteil sind - mein erster Eindruck von der Kybernetik als ein Fach in dem man "von allem etwas, und nichts richtig" macht (ist nicht so negativ gemeint wie es klingt) hat sich bisher größtenteils bestätigt.
Auch wenn ich bisher viel über dieses Nebenfach geflucht habe (und es wohl auch weiter werde), kann es - die richtige Veranlagung vorausgesetzt - schon interessant sein. Allerdings sollte sich jeder, der ein...
- technisches (im Sinne von: man kann danach wirklich sein Maschinchen bauen)
- praxisbezogenes
- einfaches
- nicht-mathematisches
... Nebenfach haben will, doch eher nach etwas anderem umsehen.
[bearbeiten] Weitere Informationsquellen
Die offizielle Seite zum Nebenfach.
Wer immer noch nicht weiß, was denn nun "Kybernetik" sein soll, der findet auf dieser Seite noch ein paar zusätzliche Informationen. Aber Vorsicht: es handelt sich hierbei um einen Werbetext für diesen Studiengang. Objektive Informationen zur Schwierigkeit des Nebenfachs wird man dort wohl nicht finden...
Teilweise eher unterhaltsam als informativ, aber immerhin erfährt man etwas über die Kybernetik und deren -er und -erinnen.
