Informatik/Nebenfach/Linguistik
Aus StudiWiki
[bearbeiten] Worum geht es dabei überhaupt/was wird gelehrt? (Womit kann ich nach dem Besuch dieses Nebenfachs angeben...? ;-)
Wer mal über den Tellerrand der Programmiersprachen hinausschauen und sich mit natürlichen Sprachen beschäftigen will, ist hier genau richtig. Auch wenn das Nebenfach eigentlich alle Lehrveranstaltungen der Anglisten, Romanisten und Germanisten mit umfaßt, so muß man diese doch eher als "added value" betrachten. Die Organisation des Nebenfachs stößt einen nämlich schon (im Grundstudium sehr heftig, danach nicht mehr so direkt) in die Computerlinguistik. Womit wir auch den Primärbezug zur Informatik schon entdeckt hätten...
Da ich mich selbst auf computerlinguistische Veranstaltungen beschränke, wird im folgenden auch praktisch nichts mehr zu den linguistischen Instituten im K2 stehen.
Was machen nun eigentlich die Computerlinguisten? Einige entwickeln Systeme, die die digitale Gesamtausgabe der Zeitung syntaktisch parsen und analysieren. Andere versuchen, die Semantik der deutschen Sprache zu fassen und im Rechner zu verarbeiten. Wieder andere basteln an Spracherkennungs- oder auch Sprachsynthesesystemen. Und wieder andere stecken Versuchspersonen in Kernspintomographen und messen die Gehirnaktivität beim Umstellen von Satzteilen.
Wie man sieht, ist das Spektrum schon recht breit. Insbesondere wenn man bedenkt, daß die Computerlinguistik ein kleiner Studiengang ist.
[bearbeiten] Wieviele Infotiker wählen das Fach im Durchschnitt pro Semester (Schätzung)?
Hmmm, eine Handvoll. Man ist aber nie verloren, denn erstens kennt man einige der Computerlinguisten (die hören nämlich auch die "Einführung in die Informatik I und II") und zweitens gibt es auch nicht allzuviele Computerlinguistik-Studenten. Tatsächlich haben wir Informatik-Nebenfächler (allerdings aus mehreren Semestern) in einer Vorlesung bereits die Mehrheit gestellt.
[bearbeiten] Voraussetzungen und Anforderungen beim Nebenfach allgemein? Schwierigkeitsgrad?
Ein wenig Sprachgefühl kann nicht schaden. Wer eine außergewöhnliche Muttersprache hat, kann sich schonmal darauf einstellen, ständig dazu befragt zu werden. ;-)
Ansonsten können wir Informatikstudenten uns schon relativ gut vorbereitet fühlen. Insbesondere gibt es keine Probleme mit Mathematik-Vorkenntnissen. Die Computerlinguisten haben nämlich, abgesehen von etwas Statistik, keine Mathematikvorlesung.
[bearbeiten] Wo wird gelehrt (Stadtmitte, Vaihingen, nordsibirische Steppe..)?
Alle Veranstaltungen sind am Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung angesiedelt (wohlgemerkt, ich spreche von der Computerlinguistik - die Germanisten etc. sind im K2). Dieses befindet sich in der Azenbergstraße, gegenüber der BA. Da war übrigens vor Urzeiten auch die Informatik mal drin...
Vom Campus Stadtmitte aus geht man zum Hegelplatz und dann rechts den Berg hoch. Nach einigen hundert Metern ist man da (und kann sich am Edeka kurz vorher noch eine Erfrischung holen).
Ansonsten fahren die Buslinien 40 und 42 ab Hauptbahnhof bis zur Haltestelle Hegelplatz/Lindenmuseum. Dort kann man dann diese letzten Meter bergauf mit der Linie 43 fahren. Oder man steigt an der Stadtmitte direkt in die 43.
[bearbeiten] Veranstaltungen im Vordiplom?
- Einführung in die Linguistik (WS, 2 SWS)
- Einführung in die Computerlinguistik (SS, 4 SWS)
sowie zwei der beiden folgenden:
- Einführung in die Phonetik und Phonologie (WS, 4 SWS)
- Syntax I (SS, 4 SWS)
- Semantik I (SS, 4 SWS)
Ich empfehle, die "Einführung in die Phonetik und Phonologie" zu besuchen. Einfach weil dieses Proseminar als Voraussetzung für viele Hauptseminare im Hauptstudium im Bereich der Phonetik/Phonologie reicht.
Die Hauptstudiums-Seminare zur Syntax und Semantik kann man sicher auch irgendwie ohne Syntax-II- bzw. Semantik-II-Vorkenntnisse machen, aber wie sinnvoll das ist, weiß ich nicht. Natürlich kann man, so man genügend Zeit hat, diese Proseminare einfach noch machen, allerdings kann man die nirgends anrechnen lassen, da es Grundstudiumsveranstaltungen sind.
[bearbeiten] Veranstaltungen im Hauptstudium?
Aus allen Hauptstudiumsveranstaltungen des IMS sowie der Germanistik, der Anglistik und der Romanistik wählt man 14 SWS aus und macht benotete Scheine (dem Dozenten sagen; bei vielen Hauptseminare dort gibt es eigentlich unbenotete Scheine - ist aber kein Problem; mit einer kleinen Hausarbeit kann man das oft regeln). Fertig. Am Ende noch eine halbstündige mündliche Prüfung.
[bearbeiten] Kurzbeschreibung der einzelnen Veranstaltungen (aus der Sicht eines Studenten, der diese besucht hat) mit Angaben zum Inhalt, Voraussetzungen, Anforderungen und Machbarkeit.
Achtung: Die Dozenten wechseln öfter mal - insbesondere kann eine Veranstaltung in einem Semester von den Studierenden als top, im nächsten Semester als definitiver Flop bezeichnet werden (letzteres scheint aber eine echte Ausnahme zu sein).
[bearbeiten] Einführung in die Linguistik (Heid)
Hier erhält man sozusagen das linguistische Grundwissen. Die Veranstaltung ist in mehrere Teile gegliedert: Syntax, Morphologie, Phonetik/Phonologie, Semantik und ein wenig Pragmatik. Hier sollte man unbedingt aufpassen!
Machbarkeit: Wenn man aufpaßt und einen Nachmittag in die Vorbereitung investiert: auf alle Fälle gut.
[bearbeiten] Einführung in die Computerlinguistik (Reyle)
In dieser Veranstaltung geht es um die speziell computerlinguistischen Aspekte. Textkorpora, Lexika, Parsing, kompositionelle Semantik.
Die verwendete Programmiersprache ist Prolog. Und wer mal ein größeres Prolog-Programm sehen will; hier wird er gut bedient. Das Ergebnis am Ende ist ein Programm, dem man einen deutschen Satz (einer bestimmten Bauart) übergibt, und das einen Phrasenstrukturbaum (also den syntaktischen Aufbau), annotiert mit morphologischen Informationen (Wortart, Deklination, Konjugation), und sogar einen Lambdaausdruck, der die Bedeutung des Satzes wiedergibt, ausspuckt.
Machbarkeit: Hier kann es hart werden. Hängt auch davon ab, wie sehr man mit Prolog auf Kriegsfuß steht.
[bearbeiten] Einführung in die Phonetik und Phonologie (Möbius)
Artikulation, Klassifizierung von Sprachlauten, phonologische Einteilung von Sprachlauten einer Sprache in "Klassen" und ein Formalismus dazu, Anatomie der Sprachproduktion, Akustik, Sprachperzeption, Prosodie (so Dinge wie Betonung, Satzmelodie usw.) und ein wenig Geschichte der Phonetik/Phonologie.
Besonderes Highlight: Film aus dem Inneren des Kehlkopfs und Erzählung über Auseinanderreißen von Kehlköpfen (iiih!).
Machbarkeit: Mit ein wenig Vorbereitung auch kein Problem.
[bearbeiten] Syntax I (Fortmann)
Mein Favorit im Grundstudium. Im wesentlichen Grammatik, allerdings nicht dröge in Form irgendwelcher Regeln im Lehrbuch, sondern der Dozent erarbeitet Merkmale des Deutschen. Das muß man sich so vorstellen, daß er bestimmte Dinge anhand von Beispielen immer weiter verfeinert.
Außerdem wird ein Formalismus vorgestellt, mit dem die deutsche Grammatik am IMS dann auch tatsächlich modelliert wird.
Ein gutes Skript als Handout (war damals gerade noch in der Entstehung).
Die Übungen verdienen ein besonderes Lob. Im Prinzip laufen die so ab, daß jeweils eine Gruppe von drei Studenten die Hausaufgaben vortragen muß (die jeweilige Gruppe trifft sich mit dem Dozenten ein paar Tage zuvor und spricht das nochmal genau durch - auch dabei lernt man noch was). Dabei wird allerdings viel diskutiert (ja, an der Phrase "jedes dritte Los" kann man sich tatsächlich eine Dreiviertelstunde aufhalten...) und der Lerneffekt ist sehr hoch.
Machbarkeit: Man muß sich vorbereiten. So Dinge wie "ups downs pcase gleich downs" wollen erstmal verdaut werden. Aber die Grundlagen (C-Struktur und F-Struktur des Satzes zeichnen) gehen irgendwann recht schnell und einfach von der Hand. Ein paar obskure Stellen gibt es dann halt noch.
[bearbeiten] Konnten alle Vorlesungen ohne Komplikationen besucht werden?
In meinem Fall nicht; Theorie 2 mußte leider dran glauben. Aber damals in der Breitwiesenstraße war das Problem der Entfernung noch akuter.
Dennoch sollte man den Zeitbedarf mit S-Bahn und Bus vom Campus Vaihingen zum IMS nicht unterschätzen; 30-45 Minuten sind realistisch.
Allerdings sollte das IMS sich nun besser mit unseren Stundenplänen abstimmen können, da wir auf dem Campus ja auch ein festeres Schema haben. Da viele ihrer Studenten Informatik als Nebenfach wählen, sollte das schon aus Eigeninteresse geschehen. ;-)
[bearbeiten] Wie sieht es mit Unterlagen zu den Vorlesungen aus? Beschaffungskriminalität? Aktualität? Prüfungsaufgaben?
Unterschiedlich. In manchen Veranstaltungen gibt es viel Papier als Handout und am Ende des Semesters wird ein Kopierkostenbeitrag von ein paar Euro eingefordert. Aber eigentlich scheint sich dort die Beamerpräsentation mit anschließendem (oder bereits vorherigem) Ins-Netz-Stellen durchzusetzen.
Für "Einführung in die Phonetik und Phonologie" wurde die Anschaffung eines Buches empfohlen. Muß nicht sein, ist aber äußerst hilfreich gewesen.
[bearbeiten] Wie gehen die Dozenten auf die Bedürfnisse der Informatik-Nebenfächler ein, wie groß ist der Anteil an Infotikern?
Da gibt es keine Probleme. Die Gruppen sind recht klein und die Informatiker sind immer ausreichend vertreten in der Zuhörerschaft. Der Anteil der Informatik-Nebenfächler schwankt. Von 5% bis zu über 50% habe ich schon alles erlebt.
[bearbeiten] Was gibt es bei der Prüfungsanmeldung im Vordiplom zu beachten? Wo findet diese statt? Was für Schwierigkeiten treten üblicherweise auf?
"Prüfung" ist gut. Wenn ich da an die zweitägige Mathematik-Vordiploms-Klausur denke... :-)
Man macht seine vier Scheine, geht zu Herrn Bäuerle, läßt das arithmetische Mittel errechnen, und das wird dann als Ergebnis der Vordiplomsprüfung "Linguistik" an das Prüfungsamt gemeldet. Hat übrigens auch den Vorteil, daß die Scheinklausuren in der letzten Vorlesungswoche stattfinden und so in den Semesterferien mehr Zeit für die Hauptfachprüfungen ist.
Aber Achtung: Anmelden muß man die Prüfung am Prüfungsamt natürlich schon.
[bearbeiten] Ansprechpartner bei Problemen/Fragen (Mitarbeiter, Studenten)
Eigentlich Herr Reyle. Ansonsten ist es aber kein Problem, alle möglichen Professoren und Dozenten da anzuquatschen, sofern die Frage irgendetwas mit ihren Vorlesungen zu tun hat.
Dann gibt es noch die Fachschaft Computerlinguistik. Mit denen habe ich allerdings noch nichts groß zu tun gehabt.
[bearbeiten] Wo findet man Informationen zu den Terminen der einzelnen Nebenfach- Veranstaltungen (Stelle im Vorlesungsverzeichnis, Schwarzes Brett, etc)?
Unter [1] findet man recht schnell das Kommentierte Vorlesungsverzeichnis.
[bearbeiten] Sonstige Anmerkungen und Eindrücke (hier ist der Platz zum subjektiven Rummeckern/Ablästern)
Ich finde, daß die Computerlinguistik ein sehr angenehmes Nebenfach ist. Die Dozenten waren bisher größtenteils wirklich gut. Die Notengebung ist fast schon großzügig. Und wenn man mal raus aus dem Ingenieursmilieu will, ist das genau richtig. Man ist an der Fakultät Philosophie, kann sich sagen, daß man kein Fachidiot ist und tatsächlich etwas Geisteswissenschaften abbekommt, und dennoch sind die Leute nicht abgehoben, wie man sich Geisteswissenschaftler halt manchmal so klischeehaft vorstellt.
Nachteil ist der Standort des IMS. Allerdings hat sich das mit unserem Umzug auf den Campus deutlich entschärt (insbesondere durch die Übernahme des üblichen Zeitrasters).
Empfehlenswert ist ein Rechneraccount da. Nicht zum wirklich arbeiten; das sind eklig lahme Sun-Kisten. Allerdings sind die Infos, die an alle Studenten per Mail gehen, manchmal ganz interessant.
Und bei der Rechnerbenamsung sind die IMSler auch einfallsreicher. Studentische Rechner haben Entennamen, Mitarbeiterrechner Raubvogelnamen. So kriegt man gleich noch einen Schuß Biologie ab (so viele Enten habe ich vorher nicht gekannt).
